Archivexperten aus über 30 Ländern haben mehrere Jahre an einer Norm für eine fachgerechte Archivierung gearbeitet. Ausschlaggebender Punkt war die Erkenntnis, dass eine fachgerechte Aufbewahrung ("präventive Konservierung") kostengünstiger als eine aufwendige Restaurierung ist.
Die ISO 16245 wurde in ihrer endgültigen Fassung Ende 2009 verabschiedet, ist aber zur Zeit noch nicht ins Deutsche übersetzt bzw. als DIN übernommen.
Der offizielle Titel lautet: "Information and documentation - Boxes, file covers and other enclosures, made from cellulosic materials, for storage of paper and parchment documents" (zu deutsch: "Information und Dokumentation - Kartons, Mappen und andere Behältnisse aus reiner Zellulose für die Archivierung von Papier und Pergamentdokumenten").
Ausgangsbasis für die neue ISO 16245 ist die DIN ISO 9706, die strenggenommen allerdings nur für Papiere bis 240 g/qm gilt. Zudem wurden hier hauptsächlich chemische Eigenschaften reguliert. Die neue Norm regelt erstmalig die Anforderungen und Prüfkriterien für alle Archivverpackungen (außer Fotoarchivierung - siehe P.A.T.) und geht weit über die Anforderungen der DIN ISO 9706 hinaus.
Die ISO 16245, Typ A, (= ISO 16245-A) übernimmt die chemischen Vorganebwerte der DIN ISO 9706:
- Ligningehalt: Kappawert < 5
- Alkalische Pufferung: > 2% CaCo3
- pH-Wert: zwischen 7,5 und 10 (d.h. säurefrei)
Darüber hinaus müssen Archivverpackungen, die der ISO 16245, Typ A, entsprechen wollen, folgende Eigenschaften ausweisen:
- Verpackungsmaterial: darf keine Substanzen und physikalische Eigenschaften besitzen, die dem Archivgut schaden
- Oberfläche: abriebfeste und lichtbeständige Oberfläche
- Farbe: ohne optische Aufheller, kein Ausbluten
- Wasserwiderstand: Wasseraufnahme darf 25 g/qm innerhalb einer Minute nicht übersteigen (nach ISO 535, "Cobb-Test")
- Leimung: muss weichmacherfrei sein
- Befestigungsmaterial: ausschließliche korrosionsfreier Draht und Nieten
- Gestaltung: Form und Abmessungen sollen so gewählt werden, dass das Archivgut gut darin verpackt wird und dass möglichst wenig freier Raum übrig bleibt
- Handling: Die Box muss sich mindestens 300mal öffnen und schließen lassen, ohne Schaden zu nehmen
- Stabilität (Berstfestigkeit): Druckbeständigkeit von mindestens 20 kPa
Durch diese erweiterten Anforderungen an Archivverpackungen gehört eine Gefährdung der Archivalien, z.B. durch Ausbluten der Verpackung, mit ISO 16245-zertifizierten Produkten endgültig der Vergangenheit an.
REGIboard plus und ASK plus erfüllen die ISO 16245, Typ A
Die REGIS GmbH hat aus den Folgen der Kölner Katastrophe gelernt und die Materialqualität nachhaltig verbessert. Mit REGIboard plus und Archiv-Solid-Karton (ASK) plus bieten wir Ihnen ab sofort Archivprodukte an, die den Anforderungen der ISO 16245 (Typ A) voll entsprechen!
5 wichtige Fragen und Antworten um die ISO 16245
Ausschlaggebend für die kurzfristige Verabschiedung der ISO 16245 war das Unglück des Kölner Stadtarchivs und die damit verbundene Erkenntnis, dass die fachgerechte Aufbewahrung von Archivalien („präventive Konservierung“) deutlich kostengünstiger ist als die aufwendige Restaurierung nach einem Schadensfall.
Die Leiterin des Historischen Archivs der Stadt Köln, Frau Dr. Schmidt-Czaja, geht davon aus, dass die Restaurierung des beim Einsturz des Kölner Archivgebäudes beschädigten Archivguts mindestens 6.000 Personenjahre dauern wird. Das bedeutet, dass 200 Restauratoren 30 bis 40 Jahre an der Restaurierung des Archivguts arbeiten! Die Kosten hierfür belaufen schätzungsweise auf weit mehr als 300 Mio. EUR.
In der Vergangenheit war die DIN ISO 9706 der Qualitätsindikator für Archivverpackungen. Wenn Archivare die beste Verpackungsqualität für ihr Archivgut sicherstellen wollten, wurde in Ausschreibungen die DIN ISO 9706 gefordert.
Die DIN ISO 9706 hat jedoch zwei große Schwachstellen: Zum einen beschränkt sich die DIN ISO 9706 lediglich auf Papiere bis 240 g/qm. Für Verpackungen aus stärkerem Material, wie z.B. Archivkartons, gab es somit keine einheitlichen Anforderungen. Zum anderen sind die Anforderungen der DIN ISO 9706 zum Schutz des Archivguts nicht vollständig definiert.
Eines der größten Probleme in Köln war beispielsweise das so genannte „Ausbluten“ von Farbstoffen der Archivverpackung in das Archivgut. Die Anforderung, dass das verwendete Material keine optischen Aufheller besitzen und nicht ausbluten darf, ist in der DIN ISO 9706 nicht definiert. Somit können auch Verpackungen, die der DIN ISO 9706 voll entsprechen, bei einem Wasserschaden das Archivgut nachhaltig beschädigen.
Die ISO 16245 erweitet die DIN ISO 9706 um entscheidende Prüfkriterien, wie z.B. die Oberflächenstruktur, Farbeinsatz, Wasserwiderstand, Leimung, Raumausnutzung, Funktionalität der Verpackung etc.
Sie regelt die Anforderungen und Prüfkriterien für alle Archivverpackungen (außer Fotoarchivierung). Das heißt: Die Materialqualität von Einschlagmappen und Archivkartons ist endlich einheitlich definiert und der nachhaltige Schutz des Archivguts wird gewährleistet.
Dadurch gibt es erstmalig wirkliche Entscheidungs- und Investitionssicherheit für Archivprodukte.
Die Anforderungen an die ISO 16245 Typ A und Typ B sind nahezu identisch – bis auf zwei kleine, aber feine Unterschiede: In Materialien des Typs B ist der Ligningehalt, also der Holzanteil im Verpackungsmaterial, nicht beschränkt. Ein erhöhter Holzanteil bewirkt jedoch, dass dem Papier mehr Wasser entzogen wird, was den Zersetzungsprozess des Archivguts beschleunigt.
Weiterhin darf bei der Herstellung von Verpackungsmaterialien des Typs B Recyclingmaterial verwendet werden. Da aber niemand genau weiß, welche Grundstoffe im verwendeten Recyclingmaterial enthalten sind, kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Recyclingmaterial optischen Aufheller oder Farbstoffe enthalten sind, die später in das Archivgut ausbluten können.
Das hat zur Folge, dass zum jetzigen Zeitpunkt über Materialien des Typs B keine nachhaltige Qualitätsaussage getroffen werden kann. Ob die ISO-Norm in diesem Punkt noch nachgebessert wird, bleibt abzuwarten.
Die REGIS GmbH hat aus dem Kölner Unglück gelernt und verfolgt konsequent die Strategie, dass nur die beste Verpackung für wertvolle historische Dokumente gut genug sein kann. Als erster Hersteller am Markt bietet die REGIS Archivverpackungen gemäß ISO 16245 Typ A an:
- Einschlagmappen aus Archiv-Solid-Karton (ASK) plus für die Innenverpackung
- Archivkartons aus REGIboard plus für die Außenverpackung
Die neuen REGIS-Qualitäten bekommen Sie in Niedersachsen exklusiv bei KLEINSCHMIDT.
Gegenüberstellung ISO 16245 und DIN ISO 9706
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Gültigkeitsbereich |
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Sämtliche Archiv- verpackungen (ohne Fotoarchivierung) |
Sämtliche Archiv- verpackungen (ohne Fotoarchivierung) |
Für Papiere bis 240 g/qm |
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Kennzeichnung |
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"Board ISO 16245-A" |
"Board ISO 16245-B" |
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Alkalische Pufferung |
mehr als 2% CaCo3 |
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pH-Wert |
zwischen 7,5 und 10 (d.h. säurefrei) |
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Ligningehalt |
Kappawert kleiner als 5 |
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Verpackungs- material |
ohne Substanzen und physikalische Eigenschaften, die dem Archivgut schaden |
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Oberfläche |
abriebfest und lichtbeständig |
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Farbe |
ohne optische Aufheller und darf nicht ausbluten |
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Wasser- widerstand |
Wasseraufnahme darf 25 g/qm nicht übersteigen (nach ISO 535, "Cobb-Test") |
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Leimung |
verwendeter Leim muss weich- macherfrei sein |
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Befestigungs- material |
ausschließlich korrosionsfreier Draht und Nieten |
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Gestaltung |
Verpackung mit optimaler Raumausnutzung |
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Handling |
mindestens 300mal öffnen und schließen ohne Schäden |
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Stabilität (Berstfestigkeit) |
Druckbeständigkeit von mindestens 20 kPa |
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